BVB zerstört den Triple-Traum der Bayern
Der BVB steht im Finale des DFB-Pokals
In einem Elfmeter-Thriller hat Borussia Dortmund den Triple-Traum des FC Bayern zerstört. Beim lange klar überlegenen Erzrivalen drehte der BVB im Halbfinale plötzlich auf und schaffte eine überraschende Wende, die er im Krimi vom Punkt mit einem 2:0 krönte.
Bayern-Kapitän Philipp Lahm und Xabi Alonso rutschten bei ihren Elfmetern aus und verschossen, BVB-Torhüter Mitch Langerak hielt gegen Mario Götze. Den entscheidenden Fehlschuss leistete sich Bayern-Torwart Manuel Neuer an die Latte. Nach 90 und 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden, zur Halbzeit noch 1:0 für Bayern.
Dortmund kann seinen nach sieben Jahren scheidenden Trainer Jürgen Klopp am 30. Mai in Berlin tatsächlich mit einem letzten Titel verabschieden, der Endspielgegner wird am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD und Sky) zwischen Arminia Bielefeld und dem VfL Wolfsburg ermittelt. Die Bayern dagegen verfehlten ihre 21. Teilnahme am DFB-Pokal-Finale mit einer genauso bitteren wie vermeidbaren Niederlage.
Ausgleich aus dem Nichts
Den Münchnern genügte weder eine starke erste Halbzeit noch der Treffer von Robert Lewandowski (30.), weil der Erzrivale wie aus dem Nichts durch Pierre-Emerick Aubameyang (75.) zum Ausgleich kam. Selbst die Gelb-Rote Karte für Kevin Kampl (108.) verkraftete der BVB.
Vor 75.000 Zuschauern waren Klopps Dortmunder lange nicht wie angekündigt "auf Krawall gebürstet", sondern seltsam harmlos. Doch die Bayern schlugen nicht genug Kapital aus ihrer Dominanz und ließen den BVB im Spiel.
Dem Fußball-Rekordmeister, der bislang 17-mal den Pokal gewonnen hat, bleiben als Trost die 25. Meisterschaft sowie die Chance auf das Champions-League-Endspiel am 6. Juni in Berlin. Davor wartet jedoch am 6. und 12. Mai die hohe Hürde FC Barcelona.
Robben verletzt raus
Bayern-Trainer Pep Guardiola überraschte mit seiner Aufstellung. Der wiedergenesene Arjen Robben saß ebenso wie die beiden Weltmeister Mario Götze und Bastian Schweinsteiger zunächst nur auf der Bank. Robben kam nach fünfeinhalb Wochen Pause in der 68. Minute zu seinem umjubelten Comeback, musste in der 84. mit Wadenproblemen aber schon wieder raus.
Taktisch richtete Guardiola sein Team wie beim Pokalfinale 2014 (2:0 n.V.) mit einer Dreier-Abwehrkette aus. Zudem bot er Mitchell Weiser und Juan Bernat als Außenspieler auf. Klopp, der auf Ilkay Gündogan zurückgreifen konnte, setzte ein 4-3-3 dagegen.
Thomas Müller verfehlte bei der ersten Bayern-Chance das Ziel per Kopf (14.). In der Folge erhöhte der Rekordmeister die Schlagzahl und erspielte sich gegen überraschend verhalten auftretende Dortmunder ein deutliches Übergewicht. Vor allem über Weiser und Bernat versuchten es die Bayern immer wieder. Große Möglichkeiten gab es aber eine halbe Stunde lang nicht - bis Lewandowski zuschlug.
Gagelmann verweiger Hand-Elfer
Nach einem Fehler von Shinji Kagawa schickte Medhi Benatia den Polen mit einem weiten Pass über die aufgerückte BVB-Abwehr auf die Reise. Lewandowski traf zunächst nur den Pfosten, den Nachschuss schob er aus spitzem Winkel an Langerak vorbei.
Nach der Pause versäumten es die Bayern, den Sack frühzeitig zuzumachen. Müller (48.), Lewandowski mit einem Lattenschuss (55.) und Thiago (57.) vergaben dicke Chancen. Zudem verweigerte Schiedsrichter Peter Gagelmann den Bayern nach deutlichem Handspiel von Marcel Schmelzer einen Elfmeter (55.).
Dies sollte sich rächen, als die bis dahin schwachen Dortmunder gleich ihre erste echte Chance zum Ausgleich nutzen. Der BVB wachte nun auf. Der eingewechselte Henrich Mchitarjan und Marco Reus hätten in der Schlussphase der regulären Spielzeit fast für die BVB-Führung gesorgt, Manuel Neuer rettete zweimal in Klassemanier.
In der Verlängerung war der FC Bayern dem entscheidenden Treffer zunächst näher. Bastian Schweinsteiger (102.), der in der 76. Minute für Müller gekommen war, setzte jedoch einen Kopfball freistehend über das Tor. Der BVB blieb mit schnellen Gegenstößen gefährlich
Der einmalige Elfmeter-Blackout des FC Bayern
Zwei Spieler rutschten aus, einer scheiterte am Torwart, einer traf die Latte. Das Elfmeterschießen des FC Bayern gegen den BVB war eine einzige Katastrophe. Und in dieser Form absolut einmalig.
Über dieses Elfmeterschießen wird Fußball-Deutschland noch lange sprechen. Der FC Bayern verlor das Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund und traf dabei keinen einzigen Strafstoß. Vier Schützen traten an, vier Schützen versagten.
Erstmals in der Vereinsgeschichte blieben die Bayern damit in einem Elfmeterschießen ohne Treffer. Und als ob dies nicht schon kurios genug wäre, rutschten auch noch zwei Spieler aus.
Los ging es mit Philipp Lahm. Der Kapitän eröffnete den Reigen. Oben rechts war sein Ziel. Doch Lahm rutschte mit dem Standbein weg, setzte sich auf den Hosenboden und jagte den Ball weit über das Tor.
"Das kann passieren, dass man mal ausrutscht", sagte Lahm später frustriert: "Dass es aber im Elfmeterschießen passiert, ist bitter."
Alonsos Schuss wirkte wie eine Lahm-Wiederholung
Noch bitterer ist aber, wenn es zweimal passiert. Als zweiter bayrischer Schütze, für Dortmund hatte Ilkay Gündogan verwandelt, trat Xabi Alonso an.
Manch Zuschauer mag geglaubt haben, dass er eine Wiederholung von Lahms Versuch zu sehen bekam. Doch dem war nicht so. Alonso tat es ihm einfach nach. Auch er rutschte aus. Auch er landete auf dem Hintern. Auch sein Schuss flog vorbei.
Die Dortmunder waren deutlich standfester, Sebastian Kehl verwandelte zum 0:2, und für die Bayern trat ein alter Bekannter an.
Götze traf als einziger aufs Tor
Mario Götze, einst unter Schimpf und Schande vom BVB nach München gewechselt, sollte seine neue Mannschaft im Spiel halten. Es gelang nicht. BVB-Keeper Mitch Langerak entschärfte Götzes Schuss auf die linke Ecke. Nun war der Traum vom bayrischen Triple endgültig in weiter Ferne.
Woran auch die Parade von Manuel Neuer gegen Mats Hummels nichts ändern sollte. Denn auch der vierte Schütze der Münchner sollte versagen. Der Torwart selbst trat an und haute das Ding an die Latte.
"Das Elfmeterschießen hat schon blöd angefangen, das passte zum Spiel", sagte Neuer später und bemängelte, dass es überhaupt so weit kommen konnte: "Wir hatten alles unter Kontrolle, aber den BVB dann fünf Minuten spielen lassen. Dann kam Dortmund zurück."
Für den neutralen Zuschauer ein Segen. Denn so erlebte er ein Elfmeterschießen, wie es so wohl noch keines gegeben hat. Schon gar nicht mit dem FC Bayern. Oder um es mit Thomas Müller zu sagen: "Wenn man bei den ersten beiden Elfmetern ausrutscht, was willste dann machen?"
DFB-Pokal: Stimmen zu FC Bayern München gegen Borussia Dortmund
Müller: "Das kotzt mich an"
München - Thomas Müller ist nach dem Halbfinal-K.o. des FC Bayern bedient und hadert mit dem Schiedsrichter und dem Schicksal. Jürgen Klopp spricht vom einem "Höllenspiel". Die Reaktionen.
Was für ein Drama!
Im Elfmeterschießen scheitert der FC Bayern München im Halbfinale des DFB-Pokals am großen Rivalen Borussia Dortmund. (Bericht: BVB zerstört Bayerns Triple-Traum)
Und das unter kuriosen Umständen. (DFB-Pokal: Ergebnisse und Spielplan)
Zunächst verweigerte Schiedsrichter Peter Gagelmann dem Rekordmeister einen klaren Handelfmeter, dann musste der eingewechselte Arjen Robben bei seinem Comeback direkt wieder verletzt ausgewechselt werden. (SERVICE: Die Statistiken zum Spiel)
Schließlich rutschten sowohl Philipp Lahm wie auch Xabi Alonso bei ihren Elfmetern aus und mussten ausgewechselt werden. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)
"Das kotzt mich an", sagte Thomas Müller dementsprechend bei verärgert: "Die Emotionen sind da. Und wenn man sich benachteiligt fühlt, dann reagiert man entsprechend. Bei der Hand-Situation war ich ganz nah dran, das war für mich ganz klar."
SPORT1 hat die Reaktionen zum Spiel von Sky und ARD.
Pep Guardiola (Trainer Bayern München): "Wir haben alles getan, damit bin ich sehr zufrieden. Wir haben das System gewechselt, hatten dann kurz einige Probleme. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und gratuliere dem BVB. Beim Elfmeterschießen waren wir ein bisschen müde."
Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Das war ein Höllen-Spiel. Gagelmann scheint richtig Spaß daran gehabt zu haben mit Verlängerung und dann noch drei Minuten Nachspielzeit. Beide Mannschaften haben alles gegeben, alles versucht. Bayern war in der ersten Halbzeit sicher überlegen, wobei das Tor aus einer unglücklichen Situation heraus fällt. Wir haben den Jungs gesagt, dass wir hier untergehenden können – aber wenn, dann mit fliegenden Fahnen. Ich weiß nicht, warum wir im Elfmeterschießen nicht ausgerutscht sind. Da scheint es irgendein Problem mit dem Platz gegeben zu haben. Es sollte heute sein. Und ich glaube, es ist auch komplett in Ordnung, dass wir da durch sind."
Philipp Lahm (Kapitän FC Bayern): "Es kann passieren, dass man mal ausrutscht. Es ist natürlich bitter, wenn das im Elfmeterschießen passiert. Wir hätten das Spiel in der reguären Spielzeit gewinnen können. Und in der Verlängerung hatten wir zwei dicke Chancen. Wenn man die dann nicht macht, geht es ins Elfmeterschießen. Und da muss es einen Gewinner geben."
Manuel Neuer (FC Bayern): "Es ist blöd gelaufen. Philipp Lahm und Xabi Alonso hatten sich genau vorgenommen, wo sie den Ball hinschießen wollten. Dann rutschen sie weg. Wir hatten alles unter Kontrolle, aber dann haben wir Dortmund
fünf Minuten spielen lassen. Und dann ist es natürlich schwer, zurückzukommen."
Marco Reus (Borussia Dortmund): "Es war eine extrem schwierige Angelegenheit. In der Verlängerung hatten wir ein, zwei Mal Glück. Ich glaube, Schmelzer spielt da auch ein Mal mit der Hand. Das ist der Pokal, wir sind unglaublich froh über den Finaleinzug. Heute sind wir über uns hinausgewachsen. Wir müssen in der Bundesliga
die Spannung hochhalten, wir wollen uns noch europäisch qualifizieren. Dann kommt das Pokalfinale gegen Wolfsburg oder Bielefeld, das ist egal. Wir wollen den Pott endlich wieder nach Hause holen."
Sebastian Kehl (Borussia Dortmund): "Es war das letzte Spiel hier für mich, aber das werde ich in guter Erinnerung behalten. Das war ein geiles Spiel. In der ersten Halbzeit haben wir es gar nicht gut gemacht, und dann haben wir auch ein bisschen Glück gehabt, wieder ins Spiel zurückzukommen. Die Mannschaft hat alles gegeben. Diese turbulente Saison mit dem Finale in Berlin abschließen zu können und die Chance zu haben, noch einen Titel zu holen – wer hätte das nach der Hinrunde gedacht? Dass die Bayern jetzt die Schuld bei den Schiedsrichtern suchen, finde ich das ein bisschen Banane. Das haben sie immer gemacht, wenn sie gegen uns verloren haben. Ich glaube, dass der Schiedsrichter das Spiel heute nicht entschieden hat. Wenn sie keine Elfmeter schießen können, dann müssen sie es mal üben."
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