quinta-feira, 6 de outubro de 2016

Sturmwarnung an der Elbe für die DFB-Elf


Hamburg gilt als schwieriger DFB-Standort. Und das Team hat ein HSV-Problem. Gegen Tschechien hofft der Weltmeister auf viele Tore.


Hamburg.  Hamburg zeigte sich von seiner schönsten Seite, als der ICE 906 aus Berlin mit 25-minütiger Verspätung um 11.50 Uhr am Hauptbahnhof einrollte. Die Sonne strahlte, der Himmel hätte nicht blauer sein können, und auch die plötzliche Eiseskälte machte Joachim Löw - schwarze Lederjacke, schwarzer Wollschal - überhaupt nicht zu schaffen.


"Schön ist's hier", sagte der Bundestrainer, als er sich gut gelaunt um Punkt 12 Uhr am Mannschaftshotel "Le Meridien" an der Außenalster vorfahren ließ und von einem guten Dutzend Autogrammjägern mit einem ehrlichen "Moin, Moin" empfangen wurde.
Die freundliche Begrüßung vor dem WM-Qualifikationsspiel an diesem Sonnabend (20.45 Uhr, RTL) im Volksparkstadion gegen Tschechien dürfte gut getan haben. "In Hamburg haben wir ja schon das eine oder andere Mal in der Qualifikation gespielt, als die Entscheidung schon gefallen war. Ich glaube aber, dass dieses Spiel gegen Tschechien das Interesse der Hamburger wecken wird", antwortete Löw diplomatisch, als er nach der in der Vergangenheit nicht immer einfachen Verbindung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Hansestadt gefragt wurde.

"Es gab in Hamburg hier und da ja mal Pfiffe"

Zur Erinnerung: Abgesehen von einem herausragenden 3:0-Sieg gegen die Niederlande vor fünf Jahren enttäuschte die DFB-Auswahl in der Hansestadt zuletzt in schöner Regelmäßigkeit: 0:0 gegen Polen (2014), 1:1 gegen Finnland (2009) und ein schwaches 2:1 gegen die Slowakei (2007) sorgten jedes Mal für ein gellendes Pfeifkonzert. Zudem sind auch die historischen Pleiten 1988 im EM-Halbfinale gegen die Niederlande und 1974 in der Vorrunde gegen die DDR zwischen Elbe und Alster unvergessen.


"Es gab in Hamburg hier und da ja mal Pfiffe. Insofern liegt es an uns, die Zuschauer nun von Anfang an mitzunehmen", sagte auch DFB-Manager Oliver Bierhoff, der sich aber über beeindruckende 49.000 verkaufte Karten freuen durfte und sich vielleicht auch deshalb beeilte, Hamburg als "traumhafte Stadt" und den HSV als "großen Traditionsverein" hervorzuheben.
"Ich habe hier ja selbst mal anderthalb Jahre gespielt. Vielleicht hilft uns ja, dass die Hamburger jetzt nicht ganz so verwöhnt sind vom HSV und dass sie sich nun an guten Leistungen erfreuen können."

Löw moniert, dass sein Team nicht effizient genug ist

Selbstverständlich hinkte der Vergleich mit dem schwächelnden Schlusslicht der Bundesliga. Gerade einmal zwei Tore hat der HSV in dieser Saison erzielt – das konnte der Weltmeister bereits im ersten Qualifikationsspiel gegen Norwegen beim souveränen 3:0-Sieg übertreffen. Und trotzdem – so absurd das auch klingen mag – hat die Nationalmannschaft ein waschechtes HSV-Problem: Sie trifft einfach viel zu selten das Tor.
"Wir sind nicht effizient genug", räumte Löw bei seiner Ankunft unumwunden ein. Das hätte der Bundestrainer nun sogar schwarz auf weiß, nachdem er und sein Trainerstab zu Beginn der vergangenen Woche in Düsseldorf die EM in Frankreich noch einmal ausführlich analysiert hätten.
"Die Analyse war ein wenig kurios", verriet Löw nach dem dreitägigen Workshop. So hätten sie herausgefunden, "dass wir uns in fast allen Bereichen, die uns wichtig sind, im Vergleich zur WM 2014 verbessert haben", sagte Löw. In Frankreich seien mehr Pässe angekommen als zwei Jahre zuvor in Brasilien, die Mannschaft habe sich bei der EM auch mehr Torchancen als bei der erfolgreichen WM herausgespielt. Und trotzdem: "Wir benötigen zu viele Schüsse für ein Tor."

Kevin Volland hofft auf seinen Einsatz

Die Erkenntnis des Problems ist das eine, die Behebung des Problems das andere. Und die wird gegen Tschechien und drei Tage später in Hannover gegen Nordirland nicht unbedingt einfacher, nachdem mit Mario Gomez ausgerechnet der einzige nominelle Mittelstürmer im Löw'schen Kader wegen Problemen in der Gesäßmuskulatur abgesagt hat. "Das ist natürlich schade, weil wir keinen anderen solchen Spielertyp haben", sagte Löw.


"Am Ende ist es doch ganz egal, wer da vorne drin steht", sagte Kevin Volland, der sich eine Viertelstunde nach Löw im Mannschaftshotel vorfahren ließ und von Gomez' Absage noch gar nichts wusste: "Echt?", fragte Leverkusens Offensivallrounder zunächst ungläubig, um nach der erhaltenden Bestätigung umgehend Alternativen für die Besetzung aufzuzählen. Auch Thomas Müller könnte im Sturm spielen, Mario Götze natürlich, und bei aller Bescheidenheit selbstverständlich auch er selbst: "Natürlich hoffe ich, dass ich zum Einsatz komme."
Drei Tage lang haben die Nationalspieler nun Zeit, sich für die Startelf gegen "unseren härtesten Konkurrenten" (Löw) zu empfehlen. "Im Training müssen wir Situationen herstellen, dass wir es dann auch im Spiel umsetzen können", sagte der Bundestrainer vor der ersten Einheit am Millerntor. "Das ist immer eine Sache der Konzentration, der Mentalität und auch der Form."

An diesem Donnerstag trainiert die Nationalmannschaft ein zweites Mal am Millerntor, wo normalerweise der ebenfalls sturmschwache FC St. Pauli sein Zuhause hat, ehe es am Freitag zum Abschlusstraining in den Volkspark zum Lokalrivalen geht, wo die Zuschauer in dieser Spielzeit gerade einmal ein einziges Heimtörchen bejubeln durften.

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