Am Samstag wollen die Bayern ihre englische Woche erfolgreich abschließen. Dafür müssen sie in Hamburg drei Punkte holen, wo ein Gegner wartet, der wiedermal arge Probleme vorzuweisen hat.
Mit Ulrich, der eine enge Bindung zum HSV hat, haben wir über das Chaos im Verein gesprochen. Er betreibt seit viereinhalb Jahren den Blog “HSV-Arena”.
Hallo Ulrich, erzähl uns kurz wer Du bist und was den HSV für dich so besonders macht.
Gern. Ich bin 52 Jahre alt, gebürtiger Hamburger, habe selbst 8 Jahre für den HSV gespielt (2. Mannschaft), seit ca. 40 Jahren HSV-Anhänger und früherer Westkurven-Gänger. Als Fußball-Fan, der selbst halbwegs erfolgreich gekickt hat, gab es für mich in meiner Stadt keine Alternative zum HSV, wobei ich alles andere als ein St. Pauli-Hasser bin. Ich habe 8 Jahre für die SportBild gearbeitet und betreibe nun seit ca. 4 ½ Jahren den größten privaten HSV-Blog.
Hamburg ist seit einigen Jahren der erste Klub, den man mit dem Wort “Chaos” verbindet. Letzte Saison dachte man, dass der HSV endlich stabil ist. Nach dem Fehlstart ist die Unruhe zurück. Wie ist dein Eindruck zur Situation?
Der Eindruck ist eine einzige Katastrophe. Der HSV hängt am Tropf des Milliardärs Klaus-Michael Kühne und die aktuellen “Machthaber” haben alles getan, damit es dazu kommt. Der Verein ist in keinster Weise stabil, sondern nach wie vor ein fragiles Gebilde, in dem Seilschaften und Intrigen an der Tagesordnung sind.
Es gehen Gerüchte um, dass Labbadia kein gutes Verhältnis zu Investor Kühne hat und deshalb bald den Hut ziehen müsse. Wie beurteilst Du das?
Ich denke, dass Labbadia überhaupt kein Verhältnis zu Kühne hat bzw. umgekehrt. Kühne ist es am Ende des Tages komplett egal, wer Trainer des HSV ist, er will Erfolg sehen. Wenn Kühne allerdings den Daumen senkt, wird das Gleiche passieren wie bei Peter Knäbel und Oliver Kreuzer. Beiersdorfer wird den Trainer noch am selben Tag feuern, damit er selbst nicht in die Schusslinie gerät.
(Foto: Matthias Hangst / Bongarts / Getty Images)
Ist der Trainer deiner Meinung nach der richtige Mann für den HSV?
Die Frage muss anders gestellt werden: Gibt es in der aktuellen Konstellation überhaupt den richtigen Trainer für den HSV (hierzu empfehle ich die Lektüre der wöchentlichen Kolumne von Daniel Jovanov). Der Trainer Labbadia macht Fehler, aber die macht jeder Trainer. Der Trainer ist im Gesamtkonstrukt HSV das geringste Problem.
Viele Gegentore in der Bundesliga fielen ziemlich spät. Haben die Hamburger ein Fitness-Problem?
Nein, sie haben ein Kopf-Problem.
Kommen wir zum Spiel am Wochenende. In welcher taktischen Ausrichtung erwartest Du den HSV gegen die Bayern?
Ich gehe davon aus, dass der HSV aus einer massiven Abwehr versuchen wird, mit langen Bällen auf Gregoritsch zu arbeiten und so für temporäre Entlastung zu sorgen. Ansonsten wird es darum gehen, das Ergebnis in erträglichen Grenzen zu halten.
Wie geht das Spiel aus und wo geht die Reise für den Dino kurz-, mittel- und langfristig hin?
Ich gehe davon aus, dass das Ergebnis deutlich ausfallen wird, abhängig natürlich davon, inwiefern die Bayern das Spiel zu Ende spielen wollen. Die Reise für den HSV wird auch in dieser Saison wieder gegen den Abstieg gehen, daran bestehen nur wenig Zweifel. Mittel- und langfristig ist im Grunde alles von Kühne abhängig und davon, wie lange er an dem Underperformer Beiersdorfer festhalten möchte.
Inwiefern Underperformer? Was kritisierst Du im Detail an seiner Arbeit?
Alles. Er wurde von der Mitglieder-Initiative HSVPLUS ins Amt gehoben, die ganz klare Zielsetzungen hatte. 1 ½ Jahre später wusste Beiersdorfer nichts mehr von diesen Zielen. Er hat mehr als 90 Millionen Euro in 2 Jahren für sportlichen Durchschnitt verpflichtet, einen Trainer nach dem anderen gefeuert, dem Verein kein Profil gegeben, nichts. Er stopft sich die Taschen voll, ist der teuerste Vorstand in der Geschichte des Vereins und hat den HSV an Investor Kühne verschenkt, ohne den der Verein nicht mehr lebensfähig ist.
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