Filip Kostic stellte sein Können besonders zum Schluss der letzten Saison unter Beweis. In dieser Spielzeit blieb der wendige Flügelspieler oftmals blass - dann kam Jürgen Kramny.
Man stelle sich vor, ein Regisseur dreht einen schlechten Film, der jedes Jahr aufs Neue durch ein noch schlechteres Remake ersetzt wird. Dieses oder ein ähnliches Szenario müssen die Fans des VfB Stuttgart in den letzten Jahren durchlebt haben – als Zuschauer in der ersten Reihe. Die Hauptdarsteller des Werkes "Mission VfB-Klassenerhalt": Trainer, die jährlich teils mehrfach neu besetzt werden sowie Fußballer, die zumeist ganz furchtbar performen, um den Streifen letztlich doch noch zu einem Happy End zu führen.
Filip Kostic reiht sich nahtlos ein in die Reihe der Protagonisten, von denen erst viel erwartet wird, daraufhin allgemeine Enttäuschung ob der Nichterfüllung der Ziele und der Verschwendung von unbestrittenem Potenzial herrscht und am Ende irgendwie doch wieder alles gut ist. Frei nach dem Motto: "Schaut hin! Er kann es doch!"
Zum Ende der letzten Saison entwickelte sich Kostic, der im Sommer 2014 mit einem tadellosen Bewerbungsschreiben von zwölf Pflichtspiel-Treffern und acht Vorlagen vom niederländischen Erstligisten FC Groningen ins Schwabenland wechselte, zum Schlüsselspieler und Erfolgsgaranten.
Wieder einmal waren die Stuttgarter der drohenden Zweitklassigkeit von der Schippe gesprungen – und das noch knapper als im Jahr zuvor. Der Serbe drehte in den wichtigen Spielen auf und hatte so erheblichen Anteil am Klassenerhalt des VfB.
Erfolgloser Neustart
Unter Alexander Zorniger, der zur neuen Saison als ambitionierter Coach mit seiner ganz eigenen Spiel-Philosophie im altehrwürdigen Stadtteil Cannstatt aufschlug, sollte dann alles anders, viel besser werden. Kein Bangen mehr, sondern gesichertes Mittelfeld, vielleicht sogar mit der Option auf mehr.
Doch es kam anders als erhofft: Nach einer furiosen Vorbereitung, in der man unter anderem mit beinahe in Vergessenheit geratenem Kombinationsspiel den englischen Spitzen-Klub Manchester City vor heimischer Kulisse aus dem Stadion schoss, folgte ein Bundesliga-Start, der gewohnte Schwächen offenbarte und die dunkelsten Befürchtungen wahrwerden ließ.
Die traurige Bilanz nach fünf Spielen: null Punkte trotz häufiger Chancenüberlegenheit, Tabellenplatz 18. Zorniger, so schien es, ließ seine Mannen mit der von ihm gewählten Taktik regelmäßig mit wehenden Fahnen ins unabwendbare Unglück rennen. Kostic, auf den man nach dem vielversprechenden Endspurt der letzten Saison besonders setzte, schien von Spiel zu Spiel immer mehr abzubauen.
Seine Leistungen wirkten kraft- und teilweise sogar lustlos. Schnell wurden kritische Stimmen laut, die dem 23-Jährigen vorwarfen, mit den Gedanken bei einem anderen Verein, namentlich Schalke 04, der sich im Sommer hartnäckig um Kostic‘ Dienste bemühte hatte, zu sein. Der Revierklub habe sich bereits mit dem Flügelspieler auf einen Vertrag geeinigt, sei bereit 20 Millionen Euro nach Stuttgart zu überweisen, hieß es damals. Der VfB legte doch noch sein Veto ein. Kostic blieb und schmollte auf seine Art.
Kramny soll es richten
Ein Muskelfaserriss setzte das hochveranlagte Juwel für einen Monat außer Gefecht. Kurz nach Kostic‘ Rückkehr wurde Zorniger nach lediglich dreieinhalb Monaten Amtszeit wieder vor die Tür gesetzt. Ein Projekt, das so verheißungsvoll begonnen hatte, fand ein jähes, unschönes Ende.
Die "Plan-B-Kiste", die vor der Saison von den Verantwortlichen um Sportdirektor Robin Dutt in die hinterletzte Ecke der Geschäftsstelle verfrachtet wurde, musste ausgegraben und geöffnet werden. Der Inhalt: Jürgen Kramny, bis dato Trainer der zweiten Mannschaft der Schwaben. Der 44-Jährige sollte den kriselnden Traditionsklub interimsmäßig aus dem Tabellenkeller führen.
Nach einer ernüchternden 1:4-Klatsche zum Debüt bei Borussia Dortmund gelang es dem Zorniger-Nachfolger, mit zwei Unentschieden und einem Sieg aus den letzten drei Hinrunden-Begegnungen sowie dem Erreichen des Pokal-Viertelfinals, das sinkende Schiff zumindest vorerst wieder auf Kurs zu bringen.
Kostic wieder voller Elan
Und Kostic? Auf ihn scheint der Trainer-Wechsel eine befreiende, fast schon beflügelnde Wirkung zu haben. Der Youngster zeigte in den letzten Spielen, dass er durchaus in der Lage ist, die wichtige Rolle, die ihm zugesprochen wird, mit Bravour zu erfüllen. Im letzten Spiel des Jahres gegen den Champions-League-Achtelfinalisten VfL Wolfsburg stellte er seine Fähigkeiten einmal mehr unter Beweis.
Kostic arbeitete offensiv wie defensiv, beackerte die linke Seite mit enormem Willen und Einsatz, wirbelte die Defensive der Wölfe durcheinander und belohnte sich selbst mit seinem ersten Saisontor und seinen neuen, mittlerweile mit einem Festvertrag ausgestatteten Trainer, mit einem 3:1-Erfolg über eine Spitzen-Mannschaft.
Nach dem Spiel sagte der serbische Nationalspieler im kicker-Interview: "Ich bin überglücklich. Ich fühle mich sehr gut. Weil wir gewonnen haben, weil ich endlich wieder ein Tor gemacht habe." Aussagen, die den VfB-Anhang hoffnungsvoll stimmen sollten.
Schafft es Kramny, einen seiner talentiertesten Schützlinge im Winter weiter aufzubauen, die Wechselwünsche vorerst aus dem Kopf zu vertreiben, dann könnte Kostic zu einem entscheidenden Faktor avancieren - zu einem Spieler, über den man nach der Saison größere Lobeshymnen als das stetige und mäßig überschwängliche "Schaut hin! Er kann es doch!" schreibt. Wie wäre die Schlagzeile: "Vom launischen Teilzeit-Genie zum Mitarbeiter des Jahres"?
Bayern: Pep Guardiola gab Douglas Costa Einsatz-Garantie
Eine Einsatz-Garantie von Guardiola scheint Costa zu einem Wechsel an die Isar bewegt zu haben. Das sagt zumindest der Brasilianer selbst - und bezeichnet seinen Coach als "Genie".
Im vergangenen Sommer kam Douglas Costa trotz großer Konkurrenz auf seiner Position für 30 Millionen Euro von Schachtjor Donezk zum FC Bayern. Eine mündliche Einsatz-Garantie von Trainer Pep Guardiola habe den pfeilschnellen Flügelspieler zu einem Wechsel bewegt - das verriet Costa nun dem brasilianischen TV-Sender Globo.
"Guardiola sagte mir am Telefon, dass er mich holen will und ich spielen werde", so der 25-Jährige. Er ergänzte: "Ich antwortete ihm, dass er schon Spieler auf meiner Position hat und ich warten muss. Er sagte, dass ich spiele, wenn ich komme, ich könne ihm vertrauen."
Die erste Bundesliga-Halbserie lief für den brasilianischen Nationalspieler sehr erfreulich. Fünf Pflichtspiel-Treffer sowie beeindruckende 14 Vorlagen steuerte er für seinen neuen Klub bei. Kein Wunder also, dass Costa seinen Noch-Coach als Mentor betrachtet.
"Als ich in München ankam, fragte Guardiola: 'Bist du bereit, deinen Geist zu öffnen, Fußballspielen zu lernen?' Ich sagte: Na klar", erinnerte sich der Tempodribbler, und ergänzte: "Er ist süchtig nach Fußball, ein Genie. Du erlebst Situationen, die du mit keinem anderen Trainer erleben wirst."
Heldt kündigt Neuzugänge für Rückrunde an
Platz sechs in der Bundesliga ist den Knappen deutlich zu wenig. Auch deshalb kündigt Heldt jetzt Verstärkungen an.
Sportvorstand Horst Heldt vom Bundesligisten Schalke 04 hat Verstärkungen in der Winterpause angekündigt. "Wir haben uns für die Rückrunde vorgenommen, auch international weit zu kommen, trotz des schweren Loses mit Schachtjor Donezk. Dafür brauchen wir viel Qualität, so dass sowohl André Breitenreiter als auch ich davon überzeugt sind, dass wir nachlegen müssen", sagte Heldt im Interview mit bundesliga.de
Handlungsbedarf sieht Heldt besonders im Mittelfeld, "sowohl im offensiven als auch im defensiven Bereich". Heldt räumte allerdings ein, dass das im Winter natürlich nicht ganz so einfach sei: "Trotzdem sehen wir sowohl auf dem deutschen als auch auf dem internationalen Markt den einen oder anderen Spieler, der uns helfen könnte."
Schalke überwintert in der Bundesliga auf Platz sechs. Im DFB-Pokal sind die Königsblauen ausgeschieden, in der Europa League treffen sie in der Zwischenrunde auf Donezk.
Nenhum comentário:
Postar um comentário