Porto erwies sich als leichte Beute für den BVB: In der Europa-League-Zwischenrunde siegte man durch Tore von Piszczek und Reus klar. Die Analyse.
Borussia Dortmund hat das Hinspiel im Sechzehntel-Finale der Europa League gegen den FC Porto mit 2:0 (1:0) gewonnen. Der BVB kontrollierte das Spiel über weite Strecken, gegen harmlose Portugiesen wäre sogar noch ein höherer Sieg möglich gewesen.
Vor 65.851 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park brachte Lukasz Piszczek Dortmund früh in Führung (6.), aus der anschließenden, teilweise deutlichen, Überlegenheit, machte der BVB aber lange zu wenig - klare Torchancen waren Mangelware, obwohl sich das Geschehen fast ausschließlich in der Hälfte der Gäste abspielte.
Porto hatte auf die vor allem im ersten Durchgang sehr aggressive Grundordnung der Dortmunder keine Antwort, dennoch dauerte es bis in die zweite Hälfte, ehe Marco Reus den BVB-Anhang erlöste (70.). Der Nationalspieler war damit an vier der letzten sechs Dortmunder Pflichtspieltore direkt beteiligt. Das Rückspiel in Portugal steigt bereits am kommenden Donnerstag (25. Februar) um 21.05 Uhr.
Der Spielfilm:
Vor dem Anpfiff: Beim BVB geht die Grippewelle um, Mittelfeldmann Gündogan sowie Torwart Weidenfeller können deshalb nicht mitwirken. Castro steht dennoch nicht im Kader. Dafür gibt Sahin nach 355 Tagen sein Comeback - und steht sofort in der Startelf. Auch Aubameyang ist wieder fit.
Porto auf der anderen Seite steigt als einer der Champions-League-"Absteiger" ins Rennen ein. Trotz zehn Punkten in der Gruppenphase, unter anderem bedingt durch einen 2:1-Sieg über den FC Chelsea, reichte es nicht zum Achtelfinale in der Königsklasse. In der Liga stabilisierte sich Porto mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen nach zwischenzeitlichem Durchhänger wieder. Personell drückt vor allem defensiv der Schuh, wo Danilo und Maxi Pereira ausfallen.
Porto auf der anderen Seite steigt als einer der Champions-League-"Absteiger" ins Rennen ein. Trotz zehn Punkten in der Gruppenphase, unter anderem bedingt durch einen 2:1-Sieg über den FC Chelsea, reichte es nicht zum Achtelfinale in der Königsklasse. In der Liga stabilisierte sich Porto mit drei Siegen aus den letzten vier Spielen nach zwischenzeitlichem Durchhänger wieder. Personell drückt vor allem defensiv der Schuh, wo Danilo und Maxi Pereira ausfallen.
4.: Dortmund hat die erste Gelegenheit dieser Partie: Hummels spielt den Pass in die Schnittstelle, Schmelzer legt im Strafraum direkt quer. Bevor Aubameyang aber einschieben kann klärt Jose Angel im letzten Moment.
6., 1:0, Piszczek: Und schon wird der bislang mutige Auftritt der Hausherren belohnt: Mkhitaryan flankt nach kurz ausgeführter Ecke von links perfekt auf Piszczek und hebelt so die Abseitsfalle aus. Den ersten Schuss kann Casillas noch parieren, beim anschließenden Kopfball des Polen ist eraber machtlos.
31.: Der BVB dominiert hier komplett und schnürt harmlose Portugiesen regelmäßig rund um den eigenen Strafraum ein. Reus' Freistoß aus 18 Metern geht aber drüber, kurz darauf zieht Schmelzer aus spitzem Winkel ab - die Kugel klatscht ans Außennetz. Den Chancen-Dreierpack perfekt macht drei Minuten später Kagawa, der nach einem über links sehenswert vorgetragenen Angriff knapp rechts vorbei schießt.
58.: Das Comeback von Sahin endet in der 56. Minute, es war nach langer Pause ein solider Auftritt. Zwei Minuten später dann ein Schockmoment für die BVB-Fans: Varela erwischt Reus heftig am Sprunggelenk, der Offensivmann knickt dabei komplett um. Nach kurzer Behandlungspause kann Reus aber wieder rein.
64.: Das Spiel flacht im zweiten Durchgang zunehmend ab, dann aber hat Dortmund die erste echte Chance: Leitner bedient Kagawa im Strafraum per Lupfer, der Japaner legt nochmals quer - doch Reus rutscht beim Schussversuch weg.
71., 2:0, Reus: Dortmund hat das Spiel wieder mehr an sich gerissen und spielt wieder schneller nach vorne - auch weil Porto noch immer viel zu passiv agiert. Die Quittung folgt: Kagawa findet Mkhitaryan im Strafraum, der Armenier legt zurück und Reus knallt die Kugel trocken ins Netz. Bitter für Casillas: Erst durch Abwehrmann Bruno Martins Indi, der den Schuss abfälscht, wird der Ball unhaltbar.
84.: Porto scheint sich hier mit dem Ergebnis abgefunden zu haben - auch in der zweiten Hälfte ist es ein äußerst harmloser Auftritt. Dortmund dagegen hat nochmals die Chance zu erhöhen: Erst rutscht Kagawa aus spitzem Winkel weg, kurz darauf hämmert Mkhitaryan seinen Kopfball aus sechs Metern gegen den Pfosten.
Fazit: Ein hochverdienter Heimsieg für den BVB, der in allen Belangen überlegen war. Tuchels Konzept, aus einer Dreierkette heraus die Initiative zu ergreifen, ging voll auf, Porto wirkte davon komplett überrumpelt. Einziges Manko aus Dortmunder Sicht: Im ersten Durchgang hätten die Hausherren aus ihrer Überlegenheit mehr Chancen kreieren müssen.
Der Star des Spiels: Mats Hummels. Kaum ein Dortmunder profitierte so sehr von der aggressiven Grundordnung bei eigenem Ballbesitz wie Hummels: Der Innenverteidiger konnte aus halblinker Position das Spiel immer wieder ankurbeln und agierte hierbei extrem offensiv - und klug: Hummels spielte zahlreiche gefährliche Pässe in die Schnittstelle der Defensive und leitete so Torchancen ein. Defensiv lief er mehrere Konterversuche der Gäste souverän ab. Ebenfalls sehr stark: Marcel Schmelzer, den Hummels häufig suchte, sowie der omnipräsente Mkhitaryan.
Der Flop des Spiels: Moussa Marega. Während sich Brahimi und Aboubakar offensiv aufrieben und zumindest die Dortmunder Defensivspieler beschäftigten, gelang das Marega überhaupt nicht. Seine Flanken kamen kaum einmal gefährlich, vor allem aber verpasste es der 24-Jährige fast die komplette erste Halbzeit über, Hummels aggressiver anzugehen und stand bei Dortmunder Ballbesitz viel zu tief.
Der Schiedsrichter: Luca Banti (Italien). Nach komplett ruhiger erster Halbzeit wurde es ein schwierigeres Spiel für den Unparteiischen, der aber fast alles richtig bewertete. Der Zusammenprall von Reus und Marega (52.) war kein Elfmeter, das Foul von Varela an Reus ahndete der Italiener korrekterweise mit Gelb. Einziger Fehler: Brahimis Foul an Mkhitaryan (49.) war klar taktischer Natur, dennoch ließ Banti die Karte stecken.
Das fiel auf:
- Dortmund begann die Partie mit einem 4-2-3-1, mit Kagawa offensiv im Zentrum hinter Aubameyang, flankiert von Reus und Mkhitaryan. Doch schnell war klar: Die Anfangsformation war nur eine Momentaufnahme. Bei eigenem Ballbesitz wurde daraus ein 3-2-5-System, in dem Schmelzer zu einem Linksaußen wurde und Hummels das Spiel aufbaute. Kagawa, Reus und Aubameyang waren dann oft gemeinsam im Zentrum, Mkhitaryan hielt den rechten Flügel.
- Nach Ballverlust spielte Dortmund mitunter ein sehr aggressives Gegenpressing, aus dem sich die Gäste zu selten spielerisch befreien konnten. Mehrere Konter-Versuche wurden so im Keim erstickt und der BVB setzte sich immer wieder lange in der gegnerischen Hälfte fest.
- Porto agierte bei Dortmunder Ballbesitz über weite Strecken aus einer sehr defensiven 5-4-1-Grundordnung. Das änderte sich auch nach dem frühen Rückstand kaum einmal, was schnelle Gegenstöße erschwerte. Zu häufig stand Aboubakar offensiv dann alleine gegen drei BVB-Verteidiger, die Gäste präsentierten sich als Team zu passiv.
- Insbesondere in der ersten Hälfte war auffällig, wie gut und effizient Dortmund das Spiel verlagerte. Porto musste sich so, wenn Dortmund den Strafraum belagerte, defensiv immer wieder neu ordnen.
- Die zweite Hälfte war dann im Vergleich zum ersten Durchgang deutlich ruhiger. Dortmund schraubte das Tempo runter, Porto schien mit dem 0:1 leben zu können und beschränkte sich weiter auf vereinzelte Konter. Nach dem 0:2 konnten die Gäste den Schalter dann nicht mehr umlegen.
Zu spielstarker BVB lässt keine Zweifel aufkommen
Piszczek und Reus lassen Porto alt aussehen
Zum Zweiten: Iker Casillas hatte beim ersten Abschluss von Lukasz Piszczek die Oberhand, beim folgenden Kopfball aber war "San Iker" machtlos.
Dortmunds Coach Thomas Tuchel überraschte im Vergleich 1:0 gegen Hannover 96 - auch zwangsbedingt: Das Tor hütete die etatmäßige Nummer eins Bürki, weil der international ansonsten gesetzte Weidenfeller kurzfristig erkrankt war. Auch Gündogan fehlte mit Grippe, weswegen Sahin nach seiner hartnäckigen Sehnenreizung im Adduktorenbereich sein langersehntes Comeback nach 355 Tagen feierte. Außerdem standen Sokratis, Weigl und Aubameyang für Subotic, Ginter (beide Bank) und Castro (nicht im Kader) auf die Bank.
Bei Porto, das in der Liga das Spitzenspiel bei Benfica mit 2:1 gewonnen hatte, wieder dicht im Meisterschaftskampf mit Sporting und Benfica Lissabon steckt und als Dritter der Champions-League-Gruppenphase in die Europa League abgerutscht war, setzte Coach José Peseiro auf eine offensive Ausrichtung: Als Rechtsverteidiger begann der offensive Mittelfeldspieler Varela, weil Marcano nicht rechtzeitig fit war und lieber für die Liga geschont wurde. Co-Trainer Rui Barros erklärte zudem den Schritt, Winterneuzugang Marega (Club Sport Maritimo), der im Sommer 2015 auch beim BVB im Gespräch gewesen war, von Anfang an zu bringen: "Mit der offensiven Ausrichtung wollen wir ein Auswärtstor erzielen."
Der Wunsch der Fans lautet Sieg in der Europa League, denn diesen Wettbewerb hat Borussia Dortmund noch nie gewonnen.
© Getty Images
Piszczek setzt zum 1:0 nach
Tatsächlich aber wurden die Portugiesen von Beginn an in eine extrem defensive Haltung gedrängt. Mit der lautstarken Unterstützung der Fans im Rücken machte der BVB nämlich ohne Unterlass Druck. Giftig, kompromisslos, energisch: Die Westfalen generierten haufenweise Ballgewinne und Strafraumannäherungen - dabei glänzte vor allem der enorm offensiv agierende Schmelzer. Die logische und verdiente Folge in Minute sechs: Mkhitaryan führte mit Kagawa eine Ecke kurz aus und flankte dann scharf ins Zentrum. Am Fünfmeterraum scheiterte Piszczek zunächst an einer starken Reaktion von Keeper Casillas, konnte aber im Nachfassen den Ball mit dem Kopf über die Linie drücken. Kurios: Erstmals nach 2345 Tagen traf der Pole damit wieder in der Europa League/UEFA Cup. Letztmals im September 2009 für Hertha BSC.
Kagawa vergibt das 2:0
Von den Drachen kam derweil wenig bis nichts - im gesamten ersten Durchgang verbuchte lediglich Sergio Oliveira nach einer ordentlichen Kombination einen Distanzschuss, der Keeper Bürki aber vor keinerlei Probleme stellte (34.). Die dominante Spielweise der Schwarz-Gelben, die hinten nichts anbrennen ließen und im Mittelfeld mit Weigl und Rückkehrer Sahin mit enorm viel Übersicht glänzten, hatte derweil eine Schattenseite: Es wurden viel zu wenige Chancen herausgespielt. Und die, die es gab, konnten die Westfalen nicht verwerten: Reus hob einen aussichtsreichen Freistoß übers Tor (21.), Kagawa schloss nach einem schönen Rückpass von Schmelzer zu ungenau ab (32.).
Lange Leerlauf, ehe Reus erhöht
Im zweiten Durchgang änderte sich das Bild auch nicht: Dortmund hielt sämtliche Zügel in der Hand und hatte das Spiel in allen Bereichen im Griff. Chancen blieben aber dennoch Mangelware, lediglich Varela unterlief nach einer Mkhitaryan-Flanke beinahe ein Eigentor. Doch Casillas war zur Stelle (53.). In der Folge verflachte das Geschehen zunächst immer mehr, was auch an vielen Fouls (Reus wurde hart von Varela erwischt) und einigen Wechseln lag - unter anderem kam Leitner für den noch nicht für 90 Minuten bereiten Rückkehrer Sahin (57.).
Mit dem Joker kehrte auch prompt wieder Leben ein: Kagawa scheiterte nach einem eleganten Leitner-Chip aus der Drehung, direkt darauf feuerte Reus links am Tor vorbei (64.). Lange ärgern mussten sich die Westfalen aber nicht, denn nur wenig später stand es 2:0: Kagawa behauptete sich vor dem Strafraum stark im Eins-gegen-eins und spielte rechts in den Sechzehner zum freien Mkhitaryan. Der Armenier legte in den Rückraum für Reus ab, der mit einem leicht abgefälschten Schuss das 2:0 erzielte. Casillas hatte keine Chance (71.).
Mkhitaryan scheitert am Aluminium
Die Vorentscheidung war damit freilich gefallen. Doch drei Aktionen gab es noch: Kagawa scheiterte mit einem strammen Flachschuss an einer Casillas-Parade (84.), Mkhitaryan köpfte wuchtig aus 15 Metern an den linken Pfosten (85.) und auf der Gegenseite verpasste Joker Suk mit der einzigen guten Chance der Drachen das 1:2 - Bürki hielt stark (89.). Keine Frage: Mit dem 2:0 waren die Gäste insgesamt gut bedient, während sich der BVB trotz der letztlich zu wenigen Tore eine tolle Ausgangslage fürs Rückspiel geschaffen hatte.
Dortmund gastiert am Sonntag (15.30 Uhr) im Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen. Ebenfalls am Sonntag (19.15 Uhr) muss der FC Porto in der Liga ran, vor heimischer Kulisse wartet der FC Moreirense. Das EL-Rückspiel in Porto findet derweil am 25. Februar (21.05 Uhr) statt.
Aufstellungen, Einwechslungen & Reservebänke
| Borussia Dortmund |
|---|
| FC Porto |
Tore & Karten
Gelbe Karten
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|---|
Spielinfo
Anstoß:
18.02.2016 19:00 Uhr
Stadion:
Signal-Iduna-Park, Dortmund
Zuschauer:
65851 (ausverkauft)
Schiedsrichter:
Luca Banti (Italien)
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